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Nun bin ich schon mehr als zwei Jahre im Colibri, erst hatte ich einen Raum mit einer meiner Kolleginnen geteilt, und seit anfangs September habe ich nun mein eigenes Behandlungszimmer. Seit diesem Sommer bin ich diplomierte Massotherapeutin (die Bezeichnung “Masseuse” hat hier eine – ähem – zwielichtige Bedeutung). Zuerst habe ich ja die Ausbildungen als Bachblütenberaterin und als Craniosakraltherapeutin gemacht. Doch diese beiden Therapieformen sind hier in Québec noch nicht offiziell anerkannt, therapeutische Massage hingegen schon. Unter das Letztere fallen die meine drei Techniken Polarity, Schwedische Massage und Lymphdrainage. Also habe ich jetzt fünf verschiedene Werkzeuge in meinem Koffer, deren ich mich bedienen kann, um Menschen auf ihrem Weg zur Heilung zu begleiten. Im Moment ist meine Praxis gerade etwa selbsttragend, ich bin froh, dass ich finanziell immer noch die Farm im Rücken habe und mit meiner Wolle ab und zu einen Zustupf verdiene. Aber es ist mir in den letzten Monaten sehr klar geworden, dass meine Tätigkeit als Therapeutin genau das ist, was ich machen will, darf, muss. Meine Berufung, sozusagen. Die Bezeichnung hier ist übrigens “Praticienne en santé holistique – Holistic Health Practitioner”.
Im Moment scheint sich allerlei zu tun, das mir erlaubt, bekannter zu werden und meine Kundschaft zu erweitern, so dass ich mit der Zeit auch wirklich davon werde leben können. Am Weihnachtsmarkt haben mich die Leute oft gefrage, ob ich denn vom Wolle färben lebe und leben könne, und da habe ich natürlich erklärt, was mein eigentlicher Beruf sei und einige Visitenkarten verteilt. Und letzte Woche war ich bei unserer Lokalradiostation eingeladen, und wurde im Rahmen der Sendung “The Alternatives – you have choices” zum Thema Bachblüten inteviewt. Die Sendung wurde gestern ausgestrahlt und wird am Donnerstag wiederholt, und zwar um 8h30 hier, das heisst um 14h30 MEZ. Wen es interessiert: >>> Hier <<< kann man den Radiosender per Internet empfangen, und zwar indem man auf den Link gleich unter dem Kalender auf jener Seite klickt (live streaming). In ein paar Tagen sollte die Sendung dann auch online verfügbar sein.
Und jetzt fahre ich nach Montreal, um auf der Schweizer Botschaft ein paar Sachen zu regeln… noch immer sind die Schweizer um einiges bürokratischer als die Kanadier…
Schon als ich noch mit dem Bauern in der Schweiz wohnte, waren wir ab und zu Marktfahrer, zu jener Zeit mit unseren “Antiquitäten auf der Burg”. Mir machte das schon damals grossen Spass, der Kontakt mit den Menschen, ihnen etwas zu verkaufen, das wirklich Freude macht, das eine Bedeutung hat, eine Geschichte.
Und nun habe ich seit drei Jahren wieder angefangen, mich wenigstens vor Weihnachten als Marktfrau zu betätigen, diesmal mit meinen handgefärbten Wollstrangen und kleinen, gestrickten Sachen. Auch mein Spinnrad kommt mit und zieht immer wieder Neugiereige an, Erwachsene und Kinder wollen sehen, wie das denn funktioniert, wie aus einem flauschigen Wollbausch ein Faden wird und sich auf die Spule wickelt. Letztes Wochenende war ich in Saint-Armand und wir hatten viel Spass, meine Standnachbarin und ich. Auch die andern Aussteller waren sehr nett und die Organisatoren haben uns mit Kaffee versorgt und waren sehr hilfsbereit.
 Weihnachtsmarkt in Saint-Armand
Nächstes Wochenende bin ich im Museum in Stanbridge East, auch dort ist ein kleiner Weihnachtsmarkt mit Kunsthandwerkern aus der Region, beide Dörfer sind unmittelbare Nachbardörfer von Frelighsburg, wo ich nun seit bald zwei Jahren wohne. Ja, es geht mit Riesenschritten auf Weihnachten zu, und der erste, schöne Schnee (der zwar jetzt wieder weg ist), hat uns in die richtige Stimmung versetzt.
Heute sind es elf Jahre her, seit der Junge seinen schweren Autounfall hatte. Er lag damals lange im Koma, und wir wussten nicht, ob und wie er überleben würde. Damals schrieb ich dieses Gedicht, und auch wenn dies hier nicht mein Gedichteblog ist, möchte ich es heute mit Euch teilen.
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Die Reise
Mein Sohn
du machst eine lange Reise
durch eine dunkle Nacht
Wir stehen da
hilflos
Wir können dich
nicht begleiten
Aber unsere Liebe
ist der Leuchtturm
Unser Herz
der Hafen
der dich erwartet
wenn du zurück kommen wirst
von deiner Reise
durch die dunkle Nacht
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(Es gibt auch die französische Version dieses Gedichtes…)
Heute geht es dem Jungen sehr gut. Er hat gelernt, mit seinen Begrenzungen und Schwierigkeiten zu leben, gut zu leben, und ich bin sehr, sehr stolz auf ihn!
Früher habe ich mich nie an Halloween beteiligt. Es gehörte nicht zu unserer Kultur.
Doch hier in Nordamerika ist es ein verwurzelter Brauch, und in meinem Dorf wird er noch sehr nett begangen, die Kinder kommen in Gruppen, oft mit selbstgemachten Kostümen verkleidet, und häufig sind auch die Eltern dabei, viele von ihnen auch verkleidet. Wir Frauen von der Clinique Colibri wählen jedes Jahr ein Thema, dekorieren beim Eingang der Clinique und empfangen die Kinder unter dem Vordach, oft singen wir miteinander, haben viel Spass. Es ist das zweite Jahr, in dem ich mitmache, und dieses Jahr haben wir viel Aufwand in die Kostüme gesteckt. Das Thema war “Women With Wings” – Feen, “Fairies” auf englisch.
Darf ich vorstellen: Hinten von links nach rechts: Waldfee, Rosenfee, Regenbogenfee, vorne: Traktorfee und Blaue Fee.
Noch mehr Bilder hat es hier.
 Women With Wings
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Im übrigen sind es heute genau 24 Jahre, dass ich, mit dem Bauern und unseren Söhnen, nach Kanada gekommen bin um hier zu bleiben. Und ich bin heute wirklich zu Hause hier!
 Licht
Gestern war ein grauer, trüber Tag, nicht nur vom Wetter her. Ich war auf der Farm, Büroarbeit, und es gibt schwierige Entscheidungen zu fällen. Es kann ja nicht ewig so weitergehen. Ab und zu macht mir das das Herz noch immer ein wenig schwer.
Aber dann wird es Abend, die Wolken reissen noch einmal auf, bevor die Sonne untergeht, und die drei Baumschwestern auf der Farm (mit Jackies Hütte darunter) sind in strahlendes Licht getaucht. Der Junge macht mit seinem i-phone dieses Bild. Ich fnde es einfach wundeschön und möchte es mit euch teilen.
Ja. Das Leben ist wundervoll und immer wieder hell und licht!
…wurde dieses Foto gemacht:
 Hochzeitsfamilien
Es war ein wunderschönes Fest, unvergesslich für uns alle, lieber Besuch aus der Schweiz, Freunde, Familie, die Familie von Belle-Fille – es war einfach alles perfekt.
Nun geht das Leben wieder seinen Gang, ich bin dieses Wochenende auf der Farm, aber sonst habe ich Klienten in der Clinique, färbe Wolle, stricke, lese, schreibe, gehe neuerdings einmal pro Woche in einen Singkreis. Und seit einigen Wochen ist in meinem Leben jemand aufgetaucht… ich glaube, ich werde ihn hier mister e. nennen. Ja, das passt. Aber mehr verrate ich (noch) nicht.
Béa hatte recht mit ihrem Kommentar: Ein grosses Fest steht uns bevor.
Vor zwei Jahren habe ich gebloggt “Frisch verlobt”… und nun ist es so weit, der Grosse und Belle-Fille heiraten! Am Samstag ist die Hochzeit im Manoir Rouville Campbell.
Ich freue mich, dass lieber Besuch aus der Schweiz kommt. Ich freue mich, dass der Junge “Garçon d’honneur” ist und fabelhaft aussehen wird in seinem Anzug. Ich freue mich darüber, dass ich mich mit dem Vater meiner Söhne noch immer recht gut verstehe, dass wir das als Familie – und als erweiterte Familie feiern dürfen. Ich freue mich, dass auch der Kleine Bruder und Göttibub des Bräutigams dabei ist, mit seinen bald drei Jahren ein ausserst süsser kleiner Kerl. Ich freue mich, dass ich mich mit der Mutter des Kleinen Bruders verstehe, auch wenn wir verständlicherweise nicht dicke Freundinnen sind, so können wir uns doch gegenseitig respektieren. Ich freue mich, dass ein alter Freund der Familie, der jahrelang Pfarrer in unserer Gemeinde war, die Trauung halten wird. Ich freue mich, auch die erweiterte Familie der Belle-Fille kennezulernen und den Freundeskreis der beiden.
Und am allermeisten natürlich freue ich mich, dass mein Grosser so eine grossartige, liebe Frau bekommt und meine Belle-Fille so einen wundervollen Ehemann. Ich wünsche ihnen alles Glück dieser Erde!
 Holzäpfelchen
Ich habe einen kleinen Holzapfelbaum, der wunderhübsch blüht im Frühjahr und jetzt kleine, knallrote Äpfelchen getragen hat. Ja - hat, denn gestern habe ich sie gepflückt, bevor der Sturm, der jetzt gerade tobt, sie alle herunterwerfen konnte.
Ein grosses Becken voll hat es gegeben, und obwohl ich noch mehr als genug Confi vorrätig habe, konne ich es nicht lassen, ich musste sie verarbeiten. Ich mache das immer noch sehr gerne, auch wenn ich keine Bäuerin im eigentlichen Sinne mehr bin – ich glaube ein Teil von mir wird das immer bleiben…
Allerdings riecht es eindeutig nach Herbst, dieser Duft von Äpfeln und Zimtstangen. Aber es ist auch ein sehr gemütlicher Duft, der da aus dem Kochtopf steigt. Aus den Resten mache ich “Applebutter”, ein dickes, gesüsstes Apfelmus, das man auch aufs Brot streicht oder mit Pancakes essen kann.
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 Apfelgelee
Was für eine Befriedigung, wenn die Gläser dann gefüllt in Reih und Glied da stehen! Ich werde bestimmt einen grossen Teil davon verschenken, dankbare Abnehmer gibt es genug.
Zum Schluss darf ich noch die Küche aufräumen … Einmachen ist immer eine etwas schmierige Angelegenheit.
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Ich habe diesen Eintrag heute Mittag gemacht, und gerade als ich ihn abschicken wollte, ging der Strom aus – Irene hat sich ziemlich heftig bemerkbar gemacht mit Regen und Windböen. Aber mein neues Dach verhält und alle Bäume um mein Haus scheinen noch zu stehen. Mittlerweile ist es dunkel, es regnet noch immer heftig, aber wir haben wieder Strom, so werde ich mich gleich mit einem guten Buch ins Bett kuscheln!
 Vorher
Ich war nie eine treue Coiffeurkundin. Ich hatte nur einmal in meinem Leben eine Dauerwelle, gefärbt waren meine Haare noch nie, und meine Frisur musste immer so unkompliziert wie möglich sein.
Meist trug ich sie kurz, oder dann zusammengebunden, sie durften bei der Stall- und Gartenarbeit nicht im Wege sein.
Und dann kam der Herbst 2006, als meine Haare während der Chemotherapie alle ausfielen une ich Tücher und Käppchen trug. Auch die Perlenmützen kamen oft zum Zuge und trugen mir mehr Komplimente ein als die schickste Frisur. Pflegeleicht war diese haarlose Tracht jedenfalls… Trotzdem war ich froh, als im Januar darauf wieder ein leichter Flaum meinen Schädel zu bedecken begann. Im April konnte man schon wieder von Haaren sprechen, und nach einem Jahr hatte ich einen richtigen, natürlichen Lockenkopf, ein Geschenk der Natur und für mich irgendwie ein besonderes JA zum Leben und zur Lebensfreude.
An meinem Fünfzigsten, den ich, wie ich mir zwei Jahre zuvor bei der Krebsdiagnose vorgenommen hatte, tüchtig feierte, hatte ich schon wieder eine ganz respektable Haarlänge.
Dann verbrachte ich den Sommer im Waldhäuschen, und dort war es praktischer, einen Zopf zu machen, aber noch immer kam keine Schere an meine Haare.
Der Zopf wurde sowieso meine Standardfrisur, nur selten noch trug ich mein Haar offen.
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 Nachher
Und jetzt war es einfach Zeit für etwas Neues. Nicht weit von meinem Haus ist im Untergeschoss eines Privathäuschens “La Coifferie du Coin”. Ich finde es fein, dass es in meinem Dorf sogar einen Coiffeursalon gibt. Letzte Woche habe ich mir ein Herz gefasst und mich angemeldet, und heute war es soweit. Die Haarkünstlerin ist sehr nett, sympathisch und kompetent. Gemeinsam fanden wir heraus, was wir denn nun mit meinem Kopf anfangen wollten. Und nein, den alten Zopf habe ich nicht behalten.
Noch ist es ein wenig ungewohnt, und ich werde vermutlich mit dieser Frisur auch ein wenig mehr Frisieraufwand treiben müssen… Aber am Samstag in einer Woche will ich doch hübsch aussehen…
Was dann los ist? Das verrate ich Euch… nächstens in diesem Theater!
 Jack Layton
Meine Freunde, Liebe ist hundert Mal besser als Hass.
Hoffnung ist besser als Angst. Optimismus ist besser als Verzweiflung. Deshalb: lasst und lieben, hoffen und optimistisch bleiben. So werden wir die Welt verändern.
Herzlich
Jack Layton
Dies sind die letzten Sätze aus dem Abschiedsbrief an das kanadische Volk. Jack Layton war ein menschlicher, überzeugender, charismatischer Politiker. Ob man nun die politische Richtung seiner Partei teilte oder nicht – Jack musste man respektieren und gern haben. Andere Politiker hier in Kanada werden meist mit ihrem Familiennamen bezeichnet – Harper, Ignatieff, Charest, Chrétien. Aber Layton wurde von den meisten liebevoll “Jack” genannt.
Mit nur 61 hat ihn nun der Krebs geholt. Ein Land trauert um ihn.
Ich trauere mit. Heute bin ich Kanadierin.
Bon voyage, Jack!
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