le voyage

mon fils
tu fais un long voyage
à travers une nuit sombre

nous sommes là
impuissants

nous ne pouvons pas
t’accompagner

mais notre amour
est un phare
notre cœur
le port
qui t’attendra

lorsque tu reviendras
de ton voyage
à travers la nuit sombre

(Am 19. November 2000 hatte mein Sohn einen schweren Autounfall und lag lange im Koma. Damals schrieb ich dieses Gedicht. Ich bin sehr glücklich, dass er zurückgekommen ist.)

spirale

wieder
neuland

und doch
so vertraut

also ob ich
schon tausend jahre
in deinen augen
gewohnt hätte

noch
unausgesprochen
unverkörpert

und doch
als ob es
festgelegt wäre
seit uralten zeiten

noch
keimend
wartend
scheu

und doch
verwurzelt
in der ständig
sich wandelnden
spirale
der ewigkeit

aufgebrochen

aufgebrochen
in mir
was jahrelang schlief

und doch
immer
war ich getragen
gehalten
gesegnet

mitten im winter
blüht nun
was gesät wurde

vor jahren
vor jahrzehnten
vor jahrtausenden

aufgebrochen
mein herz
meine seele

ich werde mich
nie mehr fürchten
vor der liebe

trauer

schwülfeuchte
sommerhitze

unter dem zwetschgenbaum
hockt lautlos
die trauer

fällt  mich
unversehens an
als ich mich
im garten bücke

über das feld
geht eine einsame gestalt

doch er
will nicht mehr
mein mann sein

da schreit
in der espe
ein vogel
viel zu laut

abschied

lass uns
noch einmal
brot brechen

du für mich
ich für dich

lass uns
den kelch
austrinken
bis zur neige

lass uns
die hände
reichen

vergebung
aus tiefstem herzen

lass uns
ohne groll
ohne bitterkeit
den weg gehen
wohin er auch führt

lass unsere liebe
nicht sterben
sondern

wachsen
hinein
in die liebe
die die ganze welt
trägt

für r.